Muskelverspannungen- wer kennt sie nicht, die brennenden oder stechenden Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich. Häufig fällt es schwer, die genauen Ursachen der Verspannung auszumachen. Ist vielleicht ein Kältereiz ('Zugluft') Schuld an den Verspannungen, oder ist es der Autounfall mit dem Schleudertrauma vor einigen Wochen? Oder vielleicht die momentane depressive Stimmung? Möglich, dass auch der Stress der letzten Tage....? 

Vieles ist in Betracht zu ziehen. Meistens aber sind die Verspannungen Konsequenz einer ungünstigen, statischen Körperhaltung. Typisch für Bildschirmarbeit ist das Arbeiten mit vorgeneigtem Kopf. Es kann einen Teufelskreis in Gang setzen: Die Muskulatur des Nackens (die den Kopf hält) wird überfordert und verspannt sich. Dadurch wird sie weniger durchblutet und beginnt zu schmerzen. Durch die Schmerzen verspannen wir unsere Muskulatur. Die Verspannung verringert die Blutzufuhr...

Auf der anderen Seite sollten wir unsere Muskulatur nicht unterfordern. Genau das machen wir aber, wenn wir viel und v.a. bequem sitzen, uns richtig im Sessel zurücklehnen und hängen lassen. Bauch- und Gesäßmuskulatur werden dann kaum noch gefordert. Ebenso wenig die Rückenmuskulatur, welche die Wirbelsäule stabilisiert und aufrichtet.  Wenn wir unserer Muskulatur nicht die Botschaft vermitteln, dass sie gebraucht wird, baut sie ab und verliert an Substanz und Leistungskraft. 

Bild: Neue Post. 01.10.1999

Verspannungen sind nicht nur ein Übel für denjenigen, der die Schmerzen hat. Das ganze Betriebsklima kann sich 'verspannen', denn das Leid des anderen steckt genauso an wie Heiterkeit und Freude.

Die Ursachen für Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich sind vielfältig. In der Regel ist die Schulter-Nacken-Muskulatur chronisch überlastet. Diese hat u.a. die Aufgabe, den Kopf auf der Wirbelsäule zu halten. Sie können sich vorstellen wie anstrengend das für die Muskeln ist, wenn Sie stundenlang am Computer sitzen und dabei den Kopf nach vorne geneigt haben! Ihre Muskulatur muss sich - um ihren Job zu tun - permanent zusammenziehen. Da die Versorgung mit Nährstoffen aber nur in Entspannungsphasen erfolgt, hungern Sie sie regelrecht aus, wenn Sie ihr keine Erholung gönnen. Darüber hinaus werden durch die verringerte Durchblutung Abbauprodukte des Stoffwechsels nicht abtransportiert. Sie häufen sich im Muskelgewebe an und verursachen Schmerzen.

Psyche und Soma, Seele und Körper, weisen eine enge Bindung auf. Sie ist als alltägliche Erfahrung beobachtbar, wenn beispielsweise Wut und Ärger, Stress und Leistungsdruck den Puls erhöhen und den Blutdruck steigen lassen und gleichzeitig die Atmung flacher und hektischer wird. In der menschlichen Haltung und Bewegung ist diese Verbindung besonders augenfällig. Die Redewendung "Wie geht es Dir?" kommt nicht von ungefähr, sie betont den engen Zusammenhang von Befinden und Bewegung. Nehmen Sie sich einmal die Zeit und beobachten Sie, wie unterschiedlich die Menschen gehen. Erschließen Sie daraus, wie es diesen Menschen gerade 'geht'.

Die Muskulatur wird durch seelische Prozesse wesentlich beeinflusst. Schnittstelle ist die sogenannte Formatio reticularis, eine Art Wachheitszentrale im Hirnstamm. Sie regelt den Spannungszustand (Tonus) der Muskulatur und passt den Muskeltonus immer dem momentanen Spannungsbedarf an. Erhält die Wachheitszentrale keine oder nur geringe sensorische Reize (wie z.B. beim Schlafen), wird der Spannungszustand auf ein niedrigeres Niveau herabgesetzt - die Muskulatur ist entspannt.

Wenn die Wachheitszentrale morgens über Sinnesreize aktiviert wird, erhöht sich unmittelbar darauf das muskuläre Spannungsniveau. Neben Sinnesreizen wird die Formatio reticularis auch durch Affekte und Stimmungslagen beeinflusst. Andauernder Stress und überfordernde Arbeitsbedingungen beispielsweise erhöhen den Muskeltonus.  Verspannungen und Schmerzen sind die Folge.

Der Muskeltonus ist vergleichbar mit der Drehzahl eine PKW-Motors. Um eine bestimmte Geschwindigkeit zu erreichen, können Sie den Motor mit einer niedrigen oder hohen Drehzahl fahren. Wenn Sie den Motor aber ständig übertourig fahren, werden sich bald Verschleißerscheinungen (=muskuläre Verspannungen) bemerkbar machen.

Muskelverspannungen können aber auch durch andauernde Drehbewegungen des Kopfes entstehen. Der Grund hierfür liegt oft darin, dass die Arbeitsfläche nicht tief genug ist und notgedrungen Tastatur und Monitor nebeneinander (statt hintereinander) angebracht werden. Dem Benutzer bleibt dann keine andere Wahl, als mit verdrehtem Kopf zu arbeiten.

Auch die psychische Verfassung übt entscheidenden Einfluss auf die Muskulatur aus.


 

Bild: www.corbis.com

Muskelfasern unter dem Mikroskop betrachtet

Was Sie gegen Verspannungen tun können:

  • Vermeiden Sie langes Sitzen und bewegen Sie sich. Durch die Bewegung be- und entlasten Sie Ihre Muskulatur abwechselnd!

  • Vermeiden Sie langes Sitzen mit vorgebeugtem Oberkörper!

  • Auch ein schlecht konzipierter oder falsch eingestellter Bürostuhl kann Verspannungen fördern, wenn er den Rücken unzureichend abstützt. Achten Sie deshalb auf eine ergonomische Einstellung!

  • Sitzen Sie richtig!

  • Sitzen Sie dynamisch!

  • Arbeiten Sie nicht mit verdrehtem Kopf und vermeiden Sie Verrenkungen und ruckartige Drehbewegungen des Kopfes!

  • Wenn Sie viel am Bildschirm arbeiten, sollten Sie die Tastatur vor dem Bildschirm platzieren, nicht daneben!

  • Machen Sie zwischendurch Ausgleichsübungen. Nehmen Sie sich die Zeit und besuchen Sie einen Rückenschulkurs. Dort werden Ihnen weitere sinnvolle Übungen nahegebracht, die Sie am Arbeitsplatz locker und leicht durchführen können. 

Bild: Telefon

Auch das Einklemmen des Telefonhörers zwischen Kinn und Schulter kann Nackenschmerzen hervorrufen.