Mobbing - was ist das eigentlich? "Mobbing hat mit Konflikten zu tun", werden Sie vielleicht sagen. Und Sie haben Recht: Mitarbeiter, die sich streiten und gegenseitig beschimpfen, der Vorgesetzte der einen Untergebenen anpflaumt, das Schimpfen über eine Kollegin hinter deren Rücken... All das kann Mobbing sein, muss es aber nicht. Mobbing (von englisch 'to mob'=anpöbeln)  ist mehr als diese alltäglichen Reibereien am Arbeitsplatz. Mobbing ist eine gezielte Strategie, die nur dazu dient, einen Kollegen oder eine Kollegin auszugrenzen und ihm oder ihr körperlich-seelischen Schaden zuzufügen.

Mobbing findet über einen längeren Zeitraum statt. Nach Leymann, dem führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet, spricht man dann von Mobbing, wenn ein Betroffener mindestens einmal in der Woche mindestens ein halbes Jahr lang attackiert wird - von einem oder mehreren Personen.  Dabei kann es jeden treffen, unabhängig von Geschlecht, Aussehen, Bildung und beruflicher Position. Einer aktuellen Untersuchung zufolge werden in Deutschland 2,9% der Beschäftigten gemobbt (vgl. Zapf/Kuhl).

In der Regel steht am Beginn dieses Phänomens ein Konflikt. Meist eine harmlose Sache, die aber nicht oder nur unzureichend bereinigt wird und dadurch im weiteren Verlauf eskaliert. Bildlich gesprochen gleicht der Ausgangskonflikt einem Schneeball, der einen Schneehang hinunter rollt und dabei an Größe gewinnt. Kommt er nicht zum Stillstand, reißt er irgendwann eine Lawine mit sich, die das Mobbing-Opfer regelrecht erdrückt. 

Der ursächliche Konflikt ist schnell vergessen. Was bleibt, sind die aggressiven Sticheleien der Täter, die das Opfer zur Kündigung, zu Berufsunfähigkeit oder gar im schlimmsten Fall zum Selbstmord treiben. Meist lassen die Täter ihr Opfer im Unklaren darüber, was eigentlich der Grund für die Tyrannei ist. Häufig aber ist es Neid, der Wettbewerb um die Gunst des Vorgesetzten oder einfach nur eine Äußerlichkeit, die Kolleginnen und Kollegen zu den folgenden Verhaltensweisen treibt.

"Schönen guten Morgen zusammen..." Eisernes Schweigen. Niemand erwidert den Gruß, statt dessen abweisende Blicke... - eine typische Verhaltensweise der Mobber. Das Opfer wird ignoriert und nur mit abweisenden Gesten und Blicken bedacht. Weitere typische Verhaltensweisen können sein:

  • Verbreiten von Gerüchten über das Opfer

  • Lästereien über das Privatleben des Opfers

  • dem Opfer ins Wort fallen

  • gezielte Desinformation durch Vorenthalten von Rundschreiben etc.

  • Verdächtigungen und Unterstellungen

  • verbale oder körperliche Bedrohung

  • sexuelle Belästigungen

  • Telefonterror

Diese Liste ist natürlich längst nicht vollständig. Es ist schon erstaunlich, welche kreativen Potentiale manche Mitarbeiter bei der Frage entfalten, wie Kollegen wirksam tyrannisiert werden können. Was bewirken diese Verhaltensweisen jedoch beim Opfer?

Mobbing stellt einen extrem belastenden sozialen Stressor dar, der die physische und psychische Gesundheit gravierend beeinträchtigt. Die psychischen Beeinträchtigungen umfassen Konzentrationsstörungen, Selbstzweifel, Verlust an Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, Misstrauen anderen Menschen gegenüber, Depressionen und Angstzustände.

Im psychosomatischen Bereich führt Mobbing zu Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Atembeklemmungen, Magen- und Darmkrankheiten (z.B. Magengeschwüre), muskulären Verspannungen, Rückenschmerzen und Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Mobbing hat u.a. sehr viel mit Führungsverhalten zu tun. Mit Ihrem Führungsstil hemmen oder fördern Sie Mobbing, je nachdem, ob Sie sich für die Belange Ihrer Mitarbeiter interessieren oder nicht. Was können Sie als Führungskraft gegen Mobbing unternehmen? 

  • Seien Sie aufgeschlossen gegenüber den Problemen Ihrer Mitarbeiter. 

  • Sehen Sie es als Vertrauensbeweis an, wenn Mitarbeiter mit Problemen zu Ihnen kommen. Beschwichtigen Sie nicht, sondern nehmen Sie die Ängste und Sorgen der Opfer ernst.

  • Setzen Sie sich dafür ein, dass schwelende Konflikte zwischen Mitarbeitern zur Aussprache kommen. Mitarbeitergespräche und Gesprächskreise eignen sich dafür besonders gut.

  • Unterstützen Sie Aufklärungskampagnen über Mobbing an Ihrem Arbeitsplatz.

Da Vorbeugen grundsätzlich leichter ist als 'Heilen', sollten Sie für positive Arbeitsbedingungen sorgen und die sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz fördern. Ein gutes Betriebsklima ist ein schlechter Nährboden für Mobbing!

Bild: Mobbing

Mobbing-Opfer bekommen sehr deutlich zu spüren, dass ihre Anwesenheit nicht erwünscht ist.