Angst vor Arbeitsplatzverlust hat jeder Beschäftigte bewusst oder unbewusst. Die Angst, arbeitslos zu werden gibt es schon seit jeher und betrifft alle Berufszweige. Trotzdem verdient sie in diesem Rahmen besonders erwähnt zu werden. Immer mehr Arbeitnehmer aller Branchen sind betroffen und mit dem verschärften globalen Wettbewerb und den damit verbundenen Rationalisierungsmaßnahmen der Unternehmen ist auch die Angst vor Arbeitsplatzverlust gewachsen.

Um auf Dauer konkurrenzfähig zu sein, haben viele Unternehmen ihre Strukturen schlanker gemacht, was meist nichts anderes bedeutet als Stellen abzubauen. Verständlich also, wenn vielen Arbeitnehmern die Angst im Nacken sitzt, der eigene Arbeitsplatz könne im Zuge neuerlicher Organisationsentwicklungsprozesse wegrationalisiert werden.

Was sind die Folgen dieser Angst?

Eine These: Die Angst vor Arbeitsplatzverlust ist die Ursache dafür, dass Krankenstand und Fehlzeiten auf einem historischen Tiefstand angelangt sind. Aus Angst, ihren Job zu verlieren, bleiben immer weniger Arbeitnehmer dem Betrieb fern, auch wenn sie kränkeln. Sicher, auf der einen Seite hat dies den betriebswirtschaftlich positiven Effekt, dass weniger ‘blaugefeiert’ wird. Der Arbeitnehmer wird quasi gezwungen, sich gegenüber dem Arbeitgeber fair zu verhalten. Auf der anderen Seite aber setzen sich die Beschäftigten erhöhten Belastungen aus, wenn sie trotz Beschwerden ihrer Arbeit wie gewohnt nachgehen. Zudem leidet oftmals das Betriebsklima unter der getrübten Stimmung des Erkrankten. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass sich Kollegen im Falle einer Viruserkrankung anstecken. 

Angst macht krank und lähmt den Geist! Sie verursacht Depressionen und muskuläre Verspannungen ("die Angst im Nacken spüren"). Sicherlich gehören Sie nicht zu jenen Vorgesetzten, die Angst und Schrecken in ihrer Abteilung verbreiten, um ihre ‘Untertanen’ leistungswilliger zu machen. Kurzfristig mag solch eine Strategie zwar funktionieren. Auf Dauer aber würden Sie damit verhindern, dass so etwas wie Eigenverantwortung bei den Mitarbeitern entsteht, und Aufgaben kreativ und innovativ bewältigt werden.

Die am häufigsten genannten Ängste von Beschäftigten. Ausgewertet wurden die Antworten von 2148 Beschäftigten aller Hierarchieebenen (vgl. Stegmann, S.132)

Bild: André Wiesner

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