Gesundheitsförderung - was ist das eigentlich?

Was würden Sie antworten, wenn man Sie nach Ihrem Verständnis von Gesundheit fragt? Wann fühlen Sie sich gesund, wo liegt Ihrer Meinung nach die Grenze zum Kranksein? Viele antworten auf diese Frage: "Gesundheit ist die Abwesenheit von Schmerzen und Beschwerden; wenn ich nicht krank bin, dann bin ich gesund!" Gesundheitsförderung in diesem Verständnis wäre somit lediglich das Bemühen, krankmachende Kräfte  zurückzudrängen und damit Beschwerden zu vermeiden.

Diese Vorstellung entspricht dem wissenschaftlichen Konzept der Prävention, wie es auch im traditionellen Arbeitsschutz zum Ausdruck kommt. Menschliche Verhaltensweisen und Verhältnisse werden auf Risikofakoren untersucht, die die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erhöhen. 

Gesundheitsförderung im eigentlichen Sinne, so wie es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der sogenannten Ottawa -Charta 1986 formulierte, ist aber weitaus umfassender. Nach dem Verständnis der WHO ist Gesundheit mehr als ein "Leben im Schweigen der Organe", wie es Hans-Georg Gadamer einst formulierte.

Die Weltgesundheitsorganisation versteht unter Gesundheit einen "Zustand des umfassenden körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens" (Gesundheitsförderung - health promotion: Glossar (1990)). Ob wir in diesem Sinne gesund bleiben, ist nicht nur davon abhängig, wie oft, wie lange und mit welcher Intensität wir Belastungen erleben - Gesundheit ist auch davon abhängig, ob wir ausreichend Kräfte (Ressourcen) besitzen, diesen Belastungen zu trotzen. Gesundheitsförderung im Sinne der WHO verfolgt deswegen zwei Richtlinien: 

  1. Die Verminderung von Belastungen

  2. Die Stärkung von Ressourcen.

Für die betriebliche Gesundheitsförderung lassen sich aus der Charta der WHO  folgende Grundlagen ableiten:

  • Das Wohlbefinden der Mitarbeiter hat nicht nur einen körperlich-organischen Aspekt sondern auch eine psycho-soziale Dimension.

  • Gesundheitsförderung zielt nicht alleine auf die Bekämpfung von Risikofaktoren, sondern versucht darüber hinaus schützende Ressourcen zu stärken.

  • Die Gesundheit der Mitarbeiter hängt ganz entscheidend von ihren Arbeitsbedingungen ab.

  • Die Beteiligung der Mitarbeiter an der Planung und Realisierung von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung ist oberstes Gebot.